wie verhalte ich mich beim Igel

Igelschutz, aber richtig!

Für den Winter noch zu mager?

 

Liebe Igelfreunde,

zurzeit werden immer wieder auch tagsüber anscheinend "hilflose" kleine Igel gesichtet. Doch so hilflos, wie sie erscheinen, sind diese Tiere gar nicht. Sie sind zurzeit nur häufig zu sehen und zu hören, weil sie sich vor dem Winterschlaf noch ein dickes Fettpolster anfuttern müssen. Aus diesem Grund durchstreifen sie oft lautstark unsere Gärten und Parks auf der Suche nach Insekten und liegengebliebenem Gemüse und Obst. Igel stehen das ganze Jahr unter Naturschutz, sie dürfen deshalb <fettrot>nicht</fettrot> eingesammelt und im Haus gehalten werden!

Igeljunge und auch Alttiere, die jetzt unterwegs sind, brauchen unsere Hilfe noch nicht. Sie haben genügend Zeit, sich bis Ende November noch eine dicke Fettschicht anzufuttern. Erst bei Dauerfrost oder einer geschlossenen Schneedecke bedürfen Igel unserer Hilfe, wenn sie dann noch herumlaufen.

  • Der Igel ist ein Wildtier – Überwinterung im Haus nicht nötig!
  • Es gibt kaum ein Säugetier mit besserem Bekanntheitsgrad als den Igel. Viele haben das Stacheltier ins Herz geschlossen. Das ist auch mit ein Grund, warum besorgte Naturfreunde oft schon im Frühherbst junge, kleine Igel ins Haus aufnehmen oder den Bund Naturschutz benachrichtigen, um die Igelkinder "vor dem Verhungern zu bewahren und vor der bevorstehenden kalten Jahreszeit zu schützen". Doch damit leisten sie dem gefangenen Tier keinen Gefallen und für den Artenschutz keinen Beitrag. Mehrjährige wissenschaftliche Untersuchungen haben nämlich ergeben, dass die in menschlicher Obhut überwinterten und im Frühjahr freigelassenen Igel sich kaum mehr in Wildbestände eingliedern konnten und häufig von Parasiten und Krankheiten befallen wurden, was zu einer erhöhten Sterblichkeit geführt hat. Dagegen ist sogar ein Igel, der im Oktober nur ein Gewicht von 275 Gramm aufwies, ohne jegliche menschliche Hilfe über den Winter gekommen. Im Spätherbst besteht je nach Witterung immer noch die Möglichkeit, dass Jungigel an Gewicht zunehmen und ausreichend Energiereserven für den Winterschlaf speichern. Schließlich ist der Igel ein Wildtier, das sich seit Jahrmillionen an seine Lebenssituation angepasst hat.
  • Igel dürfen nicht gefangen werden!
  • Auch das Naturschutzrecht verbietet das Einfangen von jungen Igeln, denn Igel gehören zu den besonders geschützten Tierarten. Diesen darf nach dem Gesetz weder nachgestellt noch dürfen sie gefangen, verletzt oder getötet werden; ihre Nist-, Wohn- oder Zufluchtstätten dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden. Nur verletzte oder kranke Tiere dürfen aufgenommen werden, um sie gesund zu pflegen. Diese Tiere sind jedoch unverzüglich in die Freiheit zu entlassen, sobald sie sich dort selbständig erhalten können. Ein Verstoß gegen diese Vorschriften stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit einer hohen Geldbuße bestraft werden.
  • Wie hilft man dem Igel?
  • Wirkliche Hilfe erhält der Igel jedoch durch Erhalt, Verbesserung und Neugestaltung seiner typischen Lebensräume. Dies sind vor allem blumenreiche Wiesenflächen mit lockerem Baum- und Buschbestand. Hecken, Gebüschgruppen, Waldränder, Holzstapel, Reisighaufen und Scheunen werden als Schlafplätze aufgesucht oder sie dienen als "Kinderstube". Jeder Gartenbesitzer kann dem Igel eine Heimstatt bieten, indem er im Garten Bereiche mit Wildwuchs und Gestrüpp duldet, einen Reisighaufen errichtet, im Herbst Laub und Fallobst liegen lässt und auf den Gifteinsatz, vor allem auf Schneckenkorn, im Garten völlig verzichtet - und auch den Nachbarn davon überzeugt. Gartenzäune sollten so gebaut werden, daß Igel darunter durchschlüpfen können. Diese Maßnahme kommt übrigens auch anderen Tieren, wie beispielsweise Amphibien, zugute. Eine tödliche Gefahr kann für den Igel von einem Gartenteich ausgehen. Deshalb sollen Teiche mit einem Flachufer angelegt werden, damit ein ins Wasser gefallener Igel ebenso wie andere Kleintiere auch die Möglichkeit haben, wieder herauszuklettern.
  • Igel gibt es schon seit Millionen Jahren.
  • Die Igel zählen zoologisch zu der Gruppe der Insektenfresser, wie beispielsweise die Spitzmäuse. Sie bilden darin eine eigene Familie, die Erinaceidae, deren unmittelbare Vorfahren bereits vor 15 bis 20 Millionen Jahren lebten. Unsere Igelart trägt den lateinischen Namen Erinaceus europaeus. Ihr Nahrungsspektrum ist breiter als es die Bezeichnung "Insektenfresser" vermuten lässt: Igel ernähren sich von Beeren, Früchten, Getreide, Bodeninsekten, Regenwürmern und Schnecken. Doch gerade die letztgenannte Gefälligkeit, die sie dem Gärtner tun, wird ihnen oft zum Verhängnis. Immer wieder berichten Gartenbesitzer dem Bund Naturschutz von Igeln, die bei hellichtem Tag sich krümmen, kaum noch laufen können und somit Anzeichen einer Vergiftung vermuten lassen. Mit Schneckenkorn vergiftete Schnecken können hier die Ursache sein. Weit verbreitet ist außerdem die Unsitte, Igel mit unverdünnter Milch zu füttern. Die Tiere nehmen dieses Angebot zwar gerne an, jedoch Milch ist ihrem Verdauungstrakt nicht zuträglich. Viele Igel fallen auch dem Straßenverkehr zum Opfer. Manches Tier müsste allerdings nicht sterben, wenn rücksichtsvoller und langsamer gefahren würde.
  • Soll man Igel füttern?

Wenn die oben genannten Maßnahmen getroffen wurden, ist eine Igelfütterung normalerweise nicht nötig. Wenn man trotzdem seinem kleinen Freund eine Wohltat erweisen will, muss man daran denken, wovon sich der Igel natürlicherweise ernährt, nämlich hauptsächlich von Käfern, Raupen, Regenwürmern und Schnecken. Deshalb eignen sich am ehesten Hackfleisch oder Hühnerklein. Auch mit Dosenfutter für Hunde oder Katzen kann gefüttert werden. Die Futtermenge sollte je nach Größe des Igels zwei bis drei gehäufte Esslöffel pro Tag nicht übersteigen. Zusätzlich kann noch gekochtes, gehacktes Eigelb gegeben werden. Die beste Fütterungszeit ist Abends, da Igel nachtaktive Tiere sind. Nicht vergessen werden sollte ein standfestes Schälchen mit frischem Wasser. Diese Hinweise beziehen sich auf ein Futterangebot im Freien, denn wie oben bereits gesagt, dürfen und sollten Igel nicht gefangen gehalten werden.

<rot>Igel halten Winterschlaf!</rot>

Meist suchen Igel im November bei langandauernden Bodentemperaturen um Null Grad ihre Winterquartiere zum Winterschlaf auf. Das Nest wird oft in eine Erdmulde sehr kompakt gebaut. Das kugelförmige Innere wird mit einer Schicht aus Laub und Gras so ausgekleidet, dass kein Wasser eindringen kann. Das Nest schützt den Igel ausreichend vor Feuchtigkeit und Kälte. Während der Winterruhe nimmt der Igel keine Nahrung zu sich. Im Frühjahr werden die Igel nur zögernd munter und ziehen sich im April/Mai bei Schlechtwetterperioden für längere Zeit wieder in ihre Nester zurück. Der natürliche Lebensrhythmus des Igels wird von der Länge des Tages, der Bodentemperatur und der Feuchtigkeit gesteuert.

Ist der Igelbestand gefährdet?
Die Hauptfortpflanzungszeit des Igels sind die Monate Juni bis August. Nach etwa 30 Tagen Tragzeit werden durchschnittlich vier bis fünf Junge geworfen. Manchmal erfolgt noch ein zweiter Wurf im Herbst. Die neugeborenen Igel sind blind und wiegen 15 bis 20 Gramm. Die ersten Stacheln erscheinen kurz nach der Geburt und sind weiß. Sie werden nach kurzer Zeit von längeren, braunen Stacheln überwachsen. Die jungen Igel werden etwa 40 Tage gesäugt. Kurz danach sind sie bereits selbständig und auch bei der Nahrungssuche auf sich selbst angewiesen. Sie haben dann ein Gewicht von rund 300 Gramm.

Der relativ hohen Nachwuchsrate steht aber eine ebenfalls hohe natürliche Sterblichkeitsrate gegenüber. Es wird davon ausgegangen, daß 70 bis 80 Prozent der Jungigel nicht überleben. Die Sterblichkeitsrate der erwachsenen Tiere wird auf 20 bis 40 Prozent pro Jahr geschätzt. Dank der hohen Fortpflanzungsrate kann der Igel aber auch die Verluste durch den Straßenverkehr noch relativ gut ausgleichen. Der Igel gilt in Bayern deshalb noch nicht als gefährdet. Man weiß aber, daß er durch Zerstörung seines Lebensraumes infolge der Verarmung der Kulturlandschaft und zunehmender Erschließungsmaßnahmen sowie durch verschiedene Umweltgifte, die durch menschliches Einwirken ins Nahrungsnetz gelangen, betroffen ist.

 

Quelle: www.landshut.org/bund-naturschutz/Org/geschaef.html (Diese Seite ist nicht mehr vorhanden!)

weitere Informationen finden Sie hier: www.landshut.bund-naturschutz.de/igelschutz